15. Kinder- und Jugendbericht

„Jugend“ als selbstständige Lebensphase mit eigenen sozialen Entwicklungsprozessen verstehen. Das ist eine der Kernaussagen des 15. Kinder- und Jugendberichts, der am 02. und 03. Februar 2017 auf der AGJ-Fachtagung „Jugend ermöglichen“ vorgestellt wurde. Der FJB nahm an der Veranstaltung teil und kommuniziert wichtige Ergebnisse für die Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit in Brandenburg.

Kernherausforderungen der Jugendphase

Mit dem 15. Kinder- und Jugendbericht konzentriert sich die Sachverständigenkommission auf die Lebensphase zwischen 12 und 27 Jahren, die als individualisierter Zeitraum der Persönlichkeitsentwicklung mit eigenen Kernherausforderungen betrachtet werden soll. Diese Kernherausforderungen sind als grundsätzlich zu bewältigende Aufgaben des Jugendalters zu verstehen:

  • Verselbstständigung
  • Selbstpositionierung
  • Qualifizierung

Lebenslagen junger Menschen

Die Sachverständigenkommission stellt fest, dass mit dem Übergang ins junge Erwachsenenalter nur selten die Kernaufgaben des „Erwachsenwerdens“ abgeschlossen sind. Mit dem Bericht werden vielmehr die pluralen jugendlichen Lebenswelten empirisch aufgezeigt und die Sichtweisen junger Menschen im Bezug auf ihr Alltagsleben, ihre Ausdrucksformen und ihre Spielräume sozialen Handeln deutlich gemacht. Ein weiteres Mal wird die Abhängigkeit der Bildungs- und Teilhabechancen des Einzelnen von dem sozioökonomischen Status der Familie sowie der regionalen Herkunft bewusst.

Digitale Lebenswelten

Ob Familie, Schule, Freunde, Beruf, Studium oder Freizeit: Neue Medien betreffen beinahe alle Lebensbereiche junger Menschen. Dabei seien die Folgen laut Prof. Dr. Thomas Rauschenbach, Vorsitzender der 15. Sachverständigenkommission, kaum absehbar. Die jugendlichen Nutzer/-innen verbringen im Schnitt mehr Zeit mit Chatten, Mailen und dem Austausch innerhalb von Online-Communities als mit der Verwendung von Unterhaltungsmedien (Musik, Bilder, Videos). Jugendliche stellen selbst fest, dass Cybermobbing häufiger in der Schule thematisiert werden sollte.

Ganztagsschule - Eine Zwischenbilanz

Etwas 60 % aller deutschen Schulen sind Ganztagsschulen. Einleitend stellt Prof. Dr. Karin Böllert, Vorsitzende der AGJ, jedoch fest, dass die Ganztagsschule ihre Wirkung bisher nicht entfalten konnte. Je älter die Schüler/-innen, desto weniger würden Ganztagsangebote in Anspruch genommen werden. Die Sachverständigenkommission vermutet eine allgemeine Ausrichtung vorrangig an den Bedürfnissen der Kinder und fordert eine Neukonzipierung aus einer jugendorientierten Betrachtung. Der Bericht plädiert für eine eigene Jugendpädagogik statt der koexistierenden schul- und sozialpädagogischen Herangehensweise.

Teilhabe und Partizipation

Der 15. Kinder- und Jugendbericht bestätigt, dass junge Menschen zunehmend alternative Formen des politischen Engagements suchen. Parteizugehörigkeit und auf parlamentarischen Modellen aufgebaute Beteiligungsstrukturen werden tendenziell abgelehnt. Der Wunsch nach Mitwirkung ist jedoch hoch ausgeprägt. Besonders der Jugendarbeit komme im Sinne des § 11 SGB VIII eine besondere Rolle der Gewährleistung von Partizipation zu.

„In der Jugendarbeit können junge Menschen selbst bestimmen, ob und wo sie aktiv sein möchten, sie können ihre eigenen Anliegen einbringen und Einfluss nehmen. Die Jugendarbeit ist damit ein wichtiger Raum, um Selbstpositionierung zu ermöglichen.“ (Jugend ermöglichen. Die Jugendbroschüre zum 15. Kinder- und Jugendbericht, BMFSFJ, 2017, S. 34)

Der 15. Kinder- und Jugendbericht und die Jugendbroschüre

Am 01. Februar 2017 hat das Bundeskabinett die Stellungnahme zum 15. Kinder- und Jugendbericht beschlossen. Den vollständige Fassung sowie die von der Deutschen Jugendpresse erarbeitete Broschüre zum Bericht finden Sie auf den Seiten des BMFSFJ.