Auftaktforum "Jugend(sozial)arbeit wirkt?!"

Wirkungsbeschreibung in der professionellen Jugend(sozial)arbeit

 

Datum: 22. Juni 2017
Ort: Sozialpädagogisches Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg (SFBB), Königstraße 36B, 14109 Berlin


Wie können die Wirkungen, die von Angeboten der Jugend(sozial)arbeit ausgehen, zur Grundlage sozialarbeiterischen Handelns gemacht werden? Und wie gelingt es, diese Wirkungen in geeigneter Weise gegenüber Zuwendungsgebern, Politik, Zielgruppe und Öffentlichkeit darzustellen, ohne die "eigentliche" Arbeit zu vernachlässigen?

Das Auftaktforum "Jugend(sozial)arbeit wirkt!? - Wirkungsbeschreibung in der professionellen Jugend(sozial)arbeit" am 22. Juni 2017 sollte durch einen in erster Linie wissenschaftlichen Input den Anstoß für einen fachlichen DIskurs mit diesen Fragestellungen bieten. In Kooperation mit dem Sozialpädagogischen Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg (SFBB) gelang es, ca. 30 Vertreter/-innen aus Praxis, Verwaltung und Steuerung für einen solchen Austausch im Jagdschloss Glienicke zu begrüßen.

Input: Wirkungsorientierung in der Jugendarbeit

Im ersten Teil der Veranstaltung gab Dr. Friedrich-Wilhelm Meyer (Geschäftsführer der GEBIT Münster) einen Einblick in die aktuelle bundesweite Situation der Jugend(sozial)arbeit und verdeutlichte, warum die Wirkungsorientierung insbesondere für die zuwendungsfinanzierten Bereiche der Sozial- und Jugendhilfe an Bedeutung gewinnt. Denn obgleich die Kinder- und Jugendarbeit "eine unhintergehbare Pflichtleistung" darstellt, wird sie im Kontext von umsatzstärkeren Jugendhilfeleistungen oftmals nachrangig betrachtet. Mitunter werden Angebote der Jugend(sozial)arbeit "als präventiv gedachter Teil der Hilfen zur Erziehung" missverstanden, sodass daraus Fremdbestimmung und unklare Auftragslagen für Fachkräfte der Jugend(sozial)arbeit resultieren können. Aus diesen Vorüberlegungen ableitend zeigte Dr. Meyer die Relevanz wirkungsorientierter Mechanismen in den Arbeitsfeldern nach §§ 11 bis 14 SGB VIII. Er stellte heraus, was "Wirkungsorientierung" meint und wofür sie von Nutzen sei.

Arbeit in Foren

Anhand der Wirkungstreppe nach PHINEO gAG1 wurden konkrete Wirkungen in der Jugend(sozial)arbeit benannt. Dabei wurde deutlich, dass nicht die erbrachte Leistung oder zufriedene Einschätzung der Zielgruppe als Wirkung bezeichnet werden könne. Vielmehr müssten Instrumente erarbeitet werden, die auf die Darstellbarkeit der bewirkten Veränderungen bei der Zielgruppe / den Zielgruppen und im weiteren Sinne bei der Gesellschaft abzielen.

Methoden des Monitorings und der Evaluation sind vielfach bekannt, finden sich aber häufig aufgrund begrenzter Ressourcen für Maßnahmen der Qualitätssicherung nur als unregelmäßige Bausteine in den Angeboten der Jugend(sozial)arbeit wieder. Nur wenige Träger gaben an, Mittel aus dem Beratungsförderprogramm des Landes Brandenburg für Zwecke des Monitorings und der Evaluation in den eigenen Einrichtungen zu nutzen. Eher werde auf eigene Erhebungen und Gespräche mit der Klientel zurückgegriffen und in die standardisierten Evaluationsformen im Rahmen des Zuwendungsverfahrens eingearbeitet.

Trotz der unterschiedlichen Perspektiven, die im Fachforum vertreten waren, wurde die Relevanz einer wirkungsorientierten Planung und Durchführung in den Arbeitsfeldern der Jugendförderung deutlich. Sowohl auf Steuerungs- als auch auf Durchführungsebene werden klare Chancen zur bedarfsgerechten Weiterentwicklung und Interessenvertretung auf kommunaler Ebene wahrgenommen.

Vor allem mit Blick auf die Rahmenbedingungen wurden drastische Defizite benannt. So können Empfehlungen von Experten, drei bis zehn Prozent des Projektbudgets für eine Wirkungsanalyse zu verwenden1, in der Praxis nur sehr selten umgesetzt werden. Auch ist unklar, wie zuwendungsfinanzierte Angebotsformen durch eine transparente Darstellung nicht erreichter Ziele im weiteren Zuwendungsverfahren behandelt werden. Jedoch ist eine gewisse Fehlertoleranz auch Grundlage für eine wirkungsorientierte Ausrichtung.

Auswertung

Die Forumsteilnehmer/-innen signalisierten den deutlichen Wunsch, an dem Thema in dezentralen Foren weiterzuarbeiten. So gaben alle Befragten (n=23) an, an weiterführenden Veranstaltungen Interesse zu haben. 83 % befürworteten ein Fachforum auch in dem Landkreis, in dem sie tätig sind.

Ziel ist es, Angebote der Jugend(sozial)arbeit durch eine wirkungsorientierte Steuerung fachlich weiterzuentwickeln und den Nutzen als kommunalen Partner in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Die dafür nötigen Rahmenbedingungen müssen - sofern bisher nicht passiert - in einem Dialog zwischen den Angebotsträgern und den planungsverantwortlichen örtlichen Trägern der Jugendhilfe abgestimmt und umgesetzt werden.

1 PHINEO gAG (2015): Kursbuch Wirkung. Das Praxishandbuch für alle, die Gutes noch besser tun wollen, Berlin

Einblicke