1. Fachtag "Perspektive Jugend(sozial)arbeit"

„Jugend(sozial)arbeit bietet enorme Potenziale und Perspektiven für die Zukunft Brandenburgs. Sie kann den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern, mit ihren Angeboten Regionen attraktiver für Kinder, Jugendliche und ihre Familie werden lassen und zur Integration junger geflüchteter Menschen beitragen. – Wenn die Rahmenbedingungen der Arbeit stimmen! Wie gelingt es jedoch, dieses wichtige Arbeitsfeld zu sichern und zu stärken?“

Diese einleitende Fragestellung war Ausgangspunkt für den Fachtag „Perspektive Jugend(sozial)arbeit“, der am 16.11.2016 in Kooperation mit dem Sozialpädagogischen Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg (SFBB) stattfand. Eingeladen waren Vertreter_innen von Trägern von Angeboten der Jugendarbeit und / oder Jugendsozialarbeit, vom Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg (MBJS), aus Landkreisen, aus Wissenschaft und Forschung sowie landespolitische Akteure.

Einleitend erörterte der Fachverband Jugendarbeit / Jugendsozialarbeit Brandenburg e.V. (FJB) die rechtlichen Rahmenbedingungen für Jugend(sozial)arbeit in Brandenburg und stellte seine Perspektive auf die Situation ebendieser Arbeitsfelder vor. Der FJB betonte die Bedeutung des Arbeitsfeldes, die es im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe einnimmt, forderte aber gleichermaßen eine Stabilisierung der Rahmenbedingungen. Anhand der bundesweiten Statistik, die durch den Forschungsverbund TU Dortmund / DJI erfasst, ausgewertet und im September 2016 veröffentlicht wurde, sowie mithilfe einer verbandsinternen Erhebung zeigte der FJB, dass die projektbezogenen Zuwendungsverfahren für vielfach institutionalisierte Regelangebote der Jugend(sozial)arbeit prekäre Anstellungsverhältnisse befördern.

Rechtsanwalt Prof. Dr. Bernd Schlüter stellte das gemeinsam mit Prof. Dr. Dr. h.c. Reinhard Wiesner erarbeitete Gutachten „Jugendarbeit in Berlin stärken - Gesetzliche Standards und eine bessere Finanzierung“ vor. Damit reagierte das Land Berlin auf die sich verstetigende Situation, in welcher Jugendarbeit als vermeintlich nachrangige Leistung verstanden und mit ihr Ausgaben für Kindertagesbetreuung und Hilfen zur Erziehung auszugleichen versucht werden. Das Gutachten wirft die Frage auf, in wieweit die Umsetzung der Jugendarbeit nachhaltig gewährleistet werden kann und kommt zu dem Schluss, dass es einer Präzisierung der Leistung „Jugendarbeit“ anhand quantitativer wie qualitativer Standards bedarf. Abzuwägen wäre weiterhin ein Verbandsklagerecht.

Die Podiumsteilnehmer_innen diskutierten kontrovers, ob und inwieweit das Gutachten, das die besonderen Rahmenbedingungen des Landes Berlin im Fokus hatte, auch für das Flächenland Brandenburg relevante Erkenntnisse hervorbringe. Brandenburg zeichne sich zwar - mit Blick auf die durch die Landkreise jährlich zu erstellenden Jugendförderpläne - durch gute strukturelle Voraussetzungen aus, weise jedoch eine große Ambivalenz beim zugrunde liegenden Verständnis und der tatsächlichen Umsetzung auf. Daher müsse - unter Berücksichtigung der Planungsverantwortung der einzelnen Jugendämter - an einem landkreisübergreifenden Dialog gearbeitet werden.

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