Wahlforderungen des Landesjugendring

Unser Mitglied, der Landesjugendring Brandenburg e. V. hat anlässlich der Landtagswahlen 2019 seine Forderungen für ein jugendgerechtes Brandenburg veröffentlicht. Darin heißt es:

"Die Bedingungen des Aufwachsens sind heute besonderen Herausforderungen unterworfen. Jugend ist keine Übergangsphase mehr, sondern eigenständige Lebensphase, in der es für junge Menschen darum geht, sich zu qualifizieren, sich zu verselbstständigen und sich selbst zu positionieren. Die Gestaltung jugendlicher Lebenslagen sollte daher als eigenständige politische Aufgabe anerkannt werden. Es sind nicht nur ihre Fähigkeiten und Entscheidungen, die Einfluss darauf nehmen, wie Jugendliche und junge Erwachsene die genannten Herausforderungen meistern, sondern maßgeblich auch politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Anlässlich der Landtagswahlen 2019 hat der Landesjugendring e. V. dringend notwendige Verbesserungsbedarfe herausgearbeitet und in Forderungen „Für ein jugendgerechtes Brandenburg!“ gebündelt."

Der LJR fordert:

  • Jugendverbandsarbeit fördern
  • Ehrenamtliches Engagement fördern
  • Freiwilligendienste stärken
  • Demokratiebildung stärken
  • Freiräume erhalten und schaffen
  • Gleichberechtigung aller jungen Menschen iin Brandneburg schaffen
  • Jugendgrechte Infrastruktur ausbauen
  • Nachhaltigkeit verbessern

Jugendverbandsarbeit fördern

Um die Jugendverbandslandschaft und somit auch die Lebenswelt junger Brandenburger*innen bunt und vielfältig zu halten, tragen die 37 Mitgliedsorganisationen des LJR Brandenburg e. V. einen wichtigen Teil bei. Diese Arbeit ist mit Blick auf gesellschaftliche Spaltungstendenzen, erzeugt durch rechte Hetze, hoch relevant! Leider stoßen Jugendverbände, kommunale Jugendringe und verbandliche Jugendbildungsstätten hierbei jedoch an Grenzen. Aufgaben und Anforderungen, die an eine moderne Jugend(verbands)arbeit gestellt werden, übersteigen ihre derzeitigen Ressourcen. Deshalb fordert der LJR Brandenburg e. V., die Mittel für Personal, Jugendbildungsstätten und Maßnahmen im Bereich der außerschulischen Jugendbildung dem Bedarf entsprechend zu erhöhen.

Ehrenamtliches Engagement fördern

Jugendverbandsarbeit wäre ohne junges Ehrenamt nicht möglich! Junge Menschen schaffen anderen Kindern und Jugendlichen Räume, sich zuentfalten und eröffnen ihnen eine besondereBildungswelt. Hier lernen sie besondere soziale und demokratische Kompetenzen, die durchformale Bildung nicht vermittelt werden. Dass sichjunge Menschen neben Schule, Ausbildung sowie Zeit mit Freund*innen und Familie engagieren, ist nicht selbstverständlich. Eine Beschleunigung des Alltagslebens und Selbstoptimierungszwänge zeichnen die heutige Lebensphase Jugend. Dies hat Auswirkungen auf die Möglichkeiten junger Menschen, sich ehrenamtlich zu engagieren. Daher fordern wir, junges Ehrenamt sowohlstrukturell als auch finanziell zu fördern, z. B. durch Freistellungsregelungen, Verdienstausfallzahlungen und Vergünstigungen.

Frewilligendienste stärken

Die Freiwilligendienste FSJ und FÖJ sind ein wichtiger Bestandteil der brandenburgischen Bildungslandschaft. Sie fördern Engagement für eine menschliche, friedliche und zukunftsfähige Gesellschaft sowie eine intakte Umwelt. Eine Finanzierung über die aktuelle ESF-Förderperiodehinaus muss von Landesseite abgesichert und garantiert werden. Darüber hinaus wünschen wir uns eine stärkere Wertschätzung des Einsatzes unserer Freiwilligen und Einsatzstellen. Um auch weiterhin eine angemessene Arbeit der Träger mit den Jugendlichen zu ermöglichen, ist zudem eine Anpassung der seit 2002 gleichgebliebenen Zuwendungssätze dringend erforderlich.

Demokratiebildung stärken

Der Aufstieg rechtspopulistischer Parteien, die Verschiebung des öffentlichen Diskurses nach rechts, der Anstieg rassistischer Gewalterfordern eine Anpassung und Ausweitung der politischen Bildung und Demokratieförderung. Für ihr Engagement in diesem Zusammenhangwerden auch Jugendverbände immer häufiger vonrechten Akteur*innen kritisiert. Mit Verweis auf eine behauptete politische Neutralitätspflicht wird versucht ihr Engagement zu delegitimieren und Förderungen zu beschränken. Der Landesjugendring Brandenburg e. V. fordert, Programme zur Demokratieförderung und politischen Bildung fortzuschreiben, auszubauen und zu stärken. Staatliche Akteure sind aufgefordert bei derfinanziellen Förderung von politischer Bildung und Präventionsarbeit die grundrechtlichen Freiheiten freier Träger nicht einzuschränken.

Freiräume erhalten und schaffen

Im ländlichen Raum Brandenburgs findet neben einer Zentralisierung gleichzeitig eine fortschreitende Ausdünnung von Jugendangeboten statt. Kombiniert mit einem anhaltend steigenden Bildungsdruck führt dies dazu, dass „Schule“ für viele Kinder und Jugendliche Hauptlebensraum wird. Gelegenheiten, um sich auszuprobieren und unverzweckt zu entfalten, werden weniger. Es gilt jedoch die Entfaltungsmöglichkeiten junger Menschen in vielfältiger Weise abzusichern. Ganz konkret bedeutet das, Räume und Orte zu erhalten und zu schaffen, die sie selbst gestalten dürfen, ohne dass Erwachsene sich einmischen.

Gleichberechtigung aller jungen Menschen in Brandenburg

In vielen Fällen sind Brandenburger Jugendliche mit eigener oder familiärer Migrationsgeschichte nicht politisch und sozial gleichgestellt. Sie erfahren gesellschaftliche Diskriminierung und institutionelle Benachteiligung. Die Jugendlichen macht weit mehr aus als ihr Migrationshintergrund. Sie alle haben eine eigene Biografie, eigene Interessen, Hoffnungen und Ziele. Wie andere Jugendliche auch haben sie das Recht auf Gesundheit, Bildung und Ausbildung sowie das Recht auf Freizeit, Spiel und Erholung. Der Landesjugendring Brandenburg e. V. fordert die Gleichbehandlung aller jungen Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft sowie ein grundsätzliches Bleiberecht für geflüchtete Minderjährige.

Jugendgerechte Infrastruktur

Die Lebensphase Jugend fordert von jungen Menschen sich zu qualifizieren und selbstständig zu werden. Defizite im Bereich Digitalisierung, Wohnraum und Mobilität benachteiligen sie hierbei. Mit Blick auf die Digitalisierung sind sowohl technische Voraussetzungen, aber auch die Medienbildung, unzureichend. Junge Menschen haben daher nicht die Möglichkeit mit der fortschreitenden Digitalisierung mitzuhalten. Aufgrund hoher Mietpreise – nicht nur in den Städten – und unzureichenden Bafög-Sätzen oder Ausbildungsvergütungen sind junge Menschen kaum in der Lage, Wohnen selbstständig zu finanzieren. Um Freund*innen zu treffen oder Freizeitangebote zu nutzen, müssen besonders im ländlichen Raum oft weite Strecken zurückgelegt werden. Ein adäquates Mobilitätsangebot besteht in Brandenburg bisher nicht. Dies führt bei vielen jungen Brandenburger*innen nicht nur zu Frustration, sondern auch zu einer Benachteiligung hinsichtlich sozialer Kontakte sowie der Teilnahme an Bildungs- und Kulturangeboten. Wenn das Land Brandenburg zukünftig auch für junge Menschen attraktiv sein soll, müssen in den Bereichen Digitalisierung, Wohnen und Mobilität zukunftsfähige Konzepte entwickelt und umgesetzt werden.

Nachhaltigkeit

Kinder und Jugendliche in Brandenburg haben ein Recht auf gesundes Aufwachsen – sowohl in der Stadt als auf dem Land. Maßnahmen, etwa in den Bereichen Verkehr und Landwirtschaft, müssen die Entwicklung junger Menschen im Blick haben. So ist es für das gesunde Heranwachsen junger Menschen beispielsweise dringend notwendig, die Luftverschmutzung in den städtischen Regionen Brandenburgs deutlich zu senken. Junge Menschen haben ein Interesse an der Zukunftsfähigkeit Brandenburgs und sollten an einer nachhaltigen Entwicklung partizipieren. Ihre Ideen sind wichtig und ernst zu nehmen. Sie müssen in diesem Prozess unterstützt und durch eine Bildung für nachhaltige Entwicklung gefördert werden.

 

Weitere Informationen

Landesjugendring Brandenburg e. V.
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Tel. 0331 620 75 34

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