FJB stellt Forderungen an das Land

In einem Schreiben an die potenziellen Koalitionsfraktionen stellte der FJB Forderungen für eine positive Entwicklung des Landes Brandenburg auf. Das Papier im Wortlaut:

Eine Jugendarbeit für alle jungen Menschen Brandenburgs

Forderungen für die 7. Legislaturperiode

Im Sinne einer positiven Entwicklung unseres Landes müssen die vielfältigen Interessen, Bedarfe und Zukunftschancen aller junger Menschen, egal ob hier aufgewachsen oder zugewandert, verstärkt in den Fokus der Politik rücken. Kommunen sind dabei die zentralen Lebensorte junger Menschen. Nur wenn die brandenburgischen Kommunen die Infrastruktur für Bildung und gesellschaftliche Teilhabe weiter ausbauen können, ist eine einkommensunabhängige Förderung für Kinder und Jugendliche möglich. Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit sind wesentliche Säulen dieser Infrastruktur. Freie und kommunale Träger erbringen hier eine Vielzahl unterschiedlicher Angebote für Kinder, Jugendliche und junge Volljährige. Grundlagen dieser Arbeit sind dabei das Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) und das AGKJHG des Landes Brandenburg.

Akute Herausforderungen für die Kinder- und Jugendhilfe in Brandenburg

Gegenwärtig resultieren aus der Zuwendungsfinanzierung und aus der unverändert erfolgenden Bewertung der nach dem SGB VIII pflichtigen Leistungen der Jugend(sozial)arbeit als vermeintlich freiwillige Leistungen der kommunalen Selbstverwaltung jedoch regional sehr unterschiedliche Leistungsangebote und Rahmenbedingungen für die Träger. Häufig reichen die finanzierten Strukturen nicht aus, um qualitativ gute, bedarfsgerechte Angebote für alle Kinder und Jugendlichen in einer Region vorzuhalten.

Erschwerend wirkt sich der Fachkräftemangel aus, der aktuell den Auf- und Ausbau nachhaltig wirkender Angebote der Jugend(sozial)arbeit gefährdet. Die vorhandenen Studienplatzkapazitäten des Landes Brandenburg im Bereich Sozialwesen sind absolut unzureichend. Hier übersteigt die Zahl der Bewerber*innen die Plätze jährlich um ein Vielfaches. Die oft deutlich schlechteren Rahmenbedingungen in der Jugend(sozial)arbeit (Jahresverträge, schlechtere Lohnniveaus, unzureichende Personalausstattung, schlechte Sachkostenfinanzierung insbesondere im Bereich der Fortbildung und Supervision) führen dazu, dass Fachkräfte das Arbeitsfeld meiden oder in andere Arbeitsfelder wechseln.

Infrastruktur sichern

Um die hauptamtlichen Strukturen der kommunalen Jugend(sozial)arbeit und das freiwillige (Jugendverbands)-Engagement in den Kommunen zu sichern und verstärkt zu fördern, müssen in der nächsten Legislaturperiode einheitliche Standards für die Angebote der Jugend(sozial)arbeit im Land Brandenburg geschaffen, Lösungen zur Unterstützung infrastrukturschwacher Kommunen bei der Absicherung ihrer infrastrukturellen Rahmenbedingungen gefunden und die Ausbildungssituation in Brandenburg verbessert werden.

Zur Erreichung dieser Zielstellungen schlägt der Fachverband Jugend(sozial)arbeit vor, folgende Maßnahmen im Koalitionsvertrag zu verankern:

  1. Um eine Abwärtsspirale bei der Finanzierung der Angebote in einzelnen Landkreisen und kreisfreien Städten zu verhindern und verbindlichere Bestimmungen dahingehend zu verankern, dass ein angemessener Anteil der Mittel der Kinder- und Jugendhilfe für die Kinder- und Jugendarbeit zu verwenden ist , ist in Anlehnung an das Land Berlin die Beauftragung eines Gutachtens „Jugendarbeit stärken – gesetzliche Standards und eine bessere Finanzierung“ auch für Brandenburg anzuregen.
  2. Im AGKJHG des Landes Brandenburg wird die Verpflichtung der Erstellung eines Kinder- und Jugendförderplan des Landes für jede Legislaturperiode durch das zuständige Jugendministerium rechtlich verankert. Dieser Kinder- und Jugendförderplan soll die Ziele und Aufgaben der Kinder- und Jugendförderung auf Landesebene beschreiben und Näheres über die Förderung der in diesem Gesetz genannten Handlungsfelder durch das Land enthalten. Kinder, Jugendliche sowie die Träger der öffentlichen und freien Jugendhilfe sind bei der Erstellung einzubeziehen.
  3. Die Koalition bringt ein Jugendfördergesetz auf den Weg, das bis zum Ende der Legislaturperiode in Kraft tritt. Das Jugendfördergesetz ist ein Gesetz, dass die Rahmenbedingungen für Jugendarbeit verbessert, in dem es einheitliche und verbindliche Standards und Kriterien für die Schwerpunktsetzungen der in der Jugend(sozial)arbeit beschreibt, um damit die Grundlagen für eine bedarfsgerechte Finanzierung in den Landkreisen zu definieren. Darüber hinaus stärkt das Gesetz die Gesamtverantwortung der Landesebene für die Jugend(sozial)arbeit. 
  4. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen werden die Studienplatzkapazitäten in Brandenburg erhöht sowie Ausbildungs- und Studienformate geschaffen, die eine stärkere Verknüpfung von schulischen bzw. hochschulischen Anteilen mit einem ausbildungsbezogenen Arbeitsplatz ermöglichen.
  5. Die Qualifizierung zum/zur staatlich anerkannten Erzieher*in darf grundsätzlich nicht an finanziellen Hürden scheitern. Hier sind eine Schulgeldbefreiung sowie eine Ausbildungsvergütung zu etablieren.

Als Fachorganisation für Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit in Brandenburg ist es uns ein Anliegen, Anregungen und Unterstützung für die ständige Weiterentwicklung des Landes und der Kommunen zu jugendfreundlichen Lebensorten anzubieten. Wir freuen uns, wenn Sie dieses Schreiben als einen konstruktiven Beitrag dazu verstehen und stehen sehr gern für eine weitere Zusammenarbeit zur Verfügung.

 

Für den Fachverband Jugendarbeit / Jugendsozialarbeit Brandenburg e. V.
Thomas Lettow (Vorstandsvorsitzender) und Sebastian Müller (Geschäftsführer)

FJB stellt Forderungen an das Land Bild: Free-Photos / Pixabay