Jugendarbeit aktiviert

Jugendarbeit befähigt junge Menschen zur aktiven Beteiligung am Gemeindeleben und bietet vielfältige Möglichkeiten zur Übernahme ehrenamtlicher Tätigkeiten. Sie fördert damit ein reges Vereinsleben, stärkt die Beteiligungskultur vor Ort und setzt Impulse für die Regionalentwicklung.

Beteiligung ist Grundprinzip der Jugendarbeit

Nicht erst durch die Einführung des § 18a der Kommunalverfassung des Landes Brandenburg (BbgKVerf) im Jahr 2019 wurde die Partizipation von jungen Menschen zum Schwerpunkt der pädagogischen Tätigkeit. Jugendarbeit fußt als eigenständige Leistung der Kinder- und Jugendhilfe auf den Prinzipien einer beteiligungsorientierten Praxis. Bereits der Gesetzgeber formulierte im § 11 des achten Sozialgesetzbuches:

Sie [Anm.: Die Angebote der Jugendarbeit] sollen an den Interessen junger Menschen anknüpfen und von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet werden, sie zur Selbstbestimmung befähigen und zu gesellschaftlicher Mitverantwortung und zu sozialem Engagement anregen und hinführen.

Damit unterstreicht der Gesetzgeber in diesem Leistungsbereich, was für die Kinder- und Jugendhilfe ohnehin gilt: Die regelmäßige und zuvorkommende Einbindung der Interessen und Wünsche junger Menschen (vgl. § 8 Abs. 1 S. 1 SGB VIII) ist für eine gesunde Jugendhilfe selbstverständlich.

Jugendarbeit ist Akteurin im Gemeinwesen

Mit der Einführung des § 18a BbgKVerf entstand für viele Fachkräfte der Jugendarbeit eine neue Situation: Die über mehrere Jahre erprobte Beteiligungspraxis war nun nicht mehr nur für den eigenen Angebotsrahmen relevant. Stattdessen wurden die Kompetenzen einer jugendgerechten Ansprache und Einbindung auf städtischer und gemeindlicher Ebene abgefragt. Ortsvorsteher*innen und Gemeindevertreter*innen wollen wissen, warum eine ohnehin existierende offene Bürgersprechstunde nicht auf für junge Menschen attraktiv sei oder welchen demokratisch legitimierten Rahmen eine Jugendvertretung für sich in Anspruch nehmen könne.

Jugendarbeit schafft Zugänge und vermittelt in den häufig weit auseinander reichenden Lebenswelten von Jung und Alt, von jugendlichen Nutzer*innen und erwachsenen Entscheidungsträger*innen. Dazu können (und müssen) pädagogische Mitarbeiter*innen in kommunale Entwicklungsprozesse einbezogen werden, sodass Schnittstellen auf möglichst unkomplizierten und kurzen Kommunikationswegen geschaffen werden können.

Jugendarbeit ist Motivationsstütze für junge Menschen

Die bisherige Haltung von Jugendarbeit*innen - Interessenvertretung für junge Menschen zu sein - war mit der Einführung des Jugendbeteiligungsanspruches auf kommunaler Ebene in einem Augenblick obsolet. Ebendiese Kinder und Jugendliche sollen nun selbst ihre Anliegen in der Regionalentwicklung äußern. Die heranwachsenden Bürger*innen brauchen von nun an keine Fürsprecher*innen mehr, die für sie die dicken Bretter in der Gemeindevertretung bohren. Sie profitieren vielmehr von moderierenden Personen, die Verständnis für die zum Teil langwierigen Arbeitsprozesse und komplexen Strukturen der Erwachsenenwelt schaffen.

Jugendthemen identifizieren

Schnell könnten junge Menschen den Eindruck gewinnen, dass eine online-gestützte Beteiligungspraxis insbesondere in ländlichen Räumen am einfachsten und effektivsten sei. Selbstwirksamkeitserfahrungen sind nun längst nicht mehr allein an die reale Welt gebunden. Sie sind zwar nicht davon abgekoppelt, aber lassen sich im Virtuellen mitunter viel einfacher und wunschgerechter herstellen: Karrieren, Profile, Charaktere, Freundschaften, Likes sind individuell geprägt, zeitnah und deutlich manifester herzustellen. Dagegen hat der*die Bürgermeister*in vielleicht in zwei Monaten vergessen, welche Jugendlichen sich erfolgreich an dem ein oder anderen Verfahren beteiligt haben.

Städte und Gemeinden profitieren von der zentralen Anstrengung erfolgreicher Jugendarbeit, Themen zu identifizieren, die für junge Menschen so lohnenswert sind, dass sie sich öffentlich und real dafür organisieren. Diese Themen mögen überraschenderweise oft nicht erwachsenenkompatibel sein. Nicht, weil Erwachsene sie nicht verstehen würden, sondern weil die Themen der jungen Menschen mitunter so nahe an den „Erwachsenen-Themen“ sind, dass sie ihre Überzeugung eines natürlichen Herrschaftsanspruches von Erwachsenen gegenüber Jugendlichen in Frage stellen müssen.