Jugendarbeit bildet

Jugendarbeit ist ein Aktivitäts- und Bildungsfeld, in dem junge Menschen viele organisatorische, soziale und kommunikative Fertigkeiten erlernen und sich ihre gegenwärtige und künftige Lebenswelt durch Kenntnisse der regionalen Kultur, Natur, Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Geschichte erschließen können. Mit ihren Angeboten der außerschulischen Jugendbildung sowie der Bildungsbegleitung am Standort Schule stärkt sie entscheidend das kommunale Bildungsprofil.

Jugend vs. Bildung

Jugendarbeit und Bildung werden häufig nicht im besonderen Maße in Verbindung gebracht. Zu groß scheinen die gegenseitigen Abgrenzungsversuche von Lehrenden auf der einen Seite, die schließlich per akademischer Vorgeschichte auf die hohe Kunst der Didaktik verweisen können, und von sozialpädagogischen Fachkräften, die ihrerseits auf dem Freiraum für (Persönlichkeits-)Bildung beharren. Es mag daran liegen, dass der eher frei(willig)e Charakter offener Angebotsformen nicht zu der Curriculum-basierten schulischen Bildung passt. Vielleicht offenbaren sich jedoch auch die Schwächen, wenn im zuständigen Ministerium für Bildung, Jugend und Sport die Themen „Jugend“ und „Bildung“ in unterschiedlichen Abteilungen bearbeitet werden.

Bildung ist nicht gleich Bildung

Insbesondere die Menschen, die in Personalverantwortung für Firmen und Institutionen stehen, wissen, dass die formale Bildung – ebenjene Art, die in Bildungseinrichtungen wie Schulen und Hochschulen vermittelt wird – nicht die einzige Schlüsselkomponente ist, um geeigneten Firmennachwuchs zu identifizieren. Gerade in Zeiten des sich zuspitzenden Fachkräftemangels, wo die formalen Zugangskriterien der sich Bewerbenden immer häufiger nicht erfüllt sind, entscheiden zumeist die nonformal und informell erworbenen Kompetenzen über die Einbindung in Organisationen. Die Fähigkeiten, Diskussionen in einer Gruppe sachlich und wertschätzend zu führen, Menschen mit anderen Überzeugungen zu respektieren, aus eigener (intrinsischer) Motivation für ausgewählte Themenkomplexe zu arbeiten sowie ungewohnten Kulturpraktiken mit Neugierde zu begegnen, sind jedoch nicht elementarer Bestandteil schulischer Ausbildungspläne.

Während Bildung also meist auf die Vermittlung von Lehrinhalten reduziert wird, benötigen Firmen/ benötigt Gesellschaft geformte, im engeren Sinne gebildete Persönlichkeiten. Menschen, die in ihrer Biografie Freiräume für Erkundung und Erprobung hatten, die Erfolge und Misserfolge ohne die Angst vor lebensanhaltenden Konsequenzen erleben konnten, die die Chance hatten, Wege zu beschreiten, die nicht zwangsläufig in den Spuren der familiären Vorgeschichte liegen, werden als gereifte und gefestigte Charaktere wahrgenommen.

Fördern heißt bilden

Und genau hier offenbart sich der originäre Auftrag von Kinder- und Jugendhilfe, nämlich „junge Menschen in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung [zu] fördern“ (§ 1 Abs. 3 Nr. 1 SGB VIII). Dies geschieht überwiegend nicht in der Abhandlung abstrakt wirkender Globalthemen. Sie – die Förderung – beginnt beim Erfahrungshintergrund der jungen Menschen, also orientiert an den tatsächlichen Lebenswelten: Wer ist für die Buslinien zuständig? Warum schließt mein Lieblings-Jugendclub bereits um 18:00 Uhr? Wo kann ich mich sinnvoll engagieren? Was kostet eigenständiges Leben? Wie gehe ich mit Stress in der Familie/ in der Beziehung um?

Natürlicherweise erschließt sich aus den vermeintlich kleinen Fragen des Lebens auch das große Ganze: Was ist der Vorteil der Trennung von Legislative, Exekutive und Judikative? Welchen Wert haben die Menschenrechte? Warum ist es nicht selbstverständlich, ein Recht auf Bildung zu haben? Junge Menschen erschließen sich so vor dem Hintergrund ihrer eigenen Erfahrungen und Lebenswelten die Zusammenhänge einer vernetzen und globalisierten Gesellschaft.

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